Watch Dogs: Geheimdienst Spielplatz

Die Idee einer vernetzten Stadt inklusive Totalüberwachung der Bürger und dem Schindluder, den ein einzelner damit treiben kann: Voll auf der Höhe der Zeit! Das Gameplay, abwechslungsreich. Die Technik, Next-Gen-würdig. Leider erklärt das Game zu viele Features kaum, bei vielen Gameplayelementen vermissen wir den Feinschliff. Ohne diesen Fauxpas hätte „Watch Dogs“ das Format eines GTA V.

Gutes Gameplay, fehlender Feinschliff

Mit Vorschusslorbeeren ist das so eine Sache. Bei der Vorstellung auf der Spieleexpo E3 vor ziemlich genau einem Jahr sahnte „Watch Dogs“ den Award als bestes Actionspiel der Messe ab. Entsprechend hoch waren seither die Erwartungen. Die können eigentlich nur enttäuscht werden, oder? Die Antwort gleich vorweg: Watch Dogs ist ein gutes Spiel geworden. Leider fehlt ihm der letzte Feinschliff. Anders als dem Genreprimus und heimlichen Vorbild „Grand Theft Auto V“. Aber einmal der Reihe nach. Für alle, die tatsächlich noch nicht Zugbrücken öffnen und schließen, Überwachungskameras anzapfen, elektronische Schlösser knacken oder die Handykonversation ahnungsloser Passanten belauschen. Salopp gesagt: Aiden kann mit seinem Hackerhandy alles, was die NSA kann, und noch viel mehr. Und so sieht das in der Praxis aus: Aiden läuft im futuristisch angehauchten Trenchcoat durch die Straßen Chicagos. Lässt man Aiden sein Handy zücken, bekommt man Infos zu jedem Passanten angezeigt. Alter, Beruf und persönliche Besonderheiten wie „ist auf Drogenentzug“ oder „verurteilter Sexualstraftäter“. Mitunter kann man sich in laufende Konversationen einhacken, was manchmal in einer Nebenmission mündet.

Es gibt viel zu tun

Solche Nebenmissionen gibt es noch mehr. Zum Beispiel gilt es, sich Zugang zu Kommunikationsstürmen zu verschaffen und deren System zu hacken – ein wenig das Äquivalent zum Türmeklettern in „Assassin’s Creed“ aus gleichem Haus. Man kann Verbrechen verhindern, die noch gar nicht stattgefunden haben (aber vom zentralen Betriebssystem prognostiziert werden). Man kann gestohlene Autos von A nach B bringen und sich dabei Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern. Man kann Gang-Verstecke überfallen. Sich mit einem virtuellen „Foursquare“ an diversen Locations einloggen, um „Major“ zu werden.Oder man kauft beim Straßendealer digitale Trips in Form von Minigames. Jedes für sich könnte fast schon als vollwertiges Spiel durchgehen. Und das ist ungelogen nur ein Bruchteil dessen, was man im Spiel alles anstellen kann. Leider macht Watch Dogs keinen allzu guten Job, den Spieler in die Fülle der Möglichkeiten behutsam einzuführen. Nach einer kurzen Einleitung wirft das Game den Spieler unversehens in die offene Welt, wo man sich angesichts der vielen Nebenaufgaben schon mal erschlagen fühlen kann. Unser Tipp: Erst einmal dem Haupthandlungsstrang folgen und die Nebenquests ignorieren. Sonst läuft man Gefahr, sich an Aktivitäten zu versuchen, ohne das dazugehörige Tutorial gespielt zu haben, was nur frustrierend enden kann.

Frust mit der Autosteuerung

Apropos Frust: Die Autosteuerung in Watch Dogs ist eine der gewöhnungsbedürftigen Sorte. Dass es zwar leicht möglich ist, die Straßen zu verlassen, mitunter aber verdammt schwer, wieder auf sie zurückzukommen, sorgt mit der Polizei im Nacken auch nicht unbedingt für Freude. Und wer einen Gangster zu Fuß verfolgt und dabei hilflos zusehen muss, wie der Flüchtende mühelos einen Zaun überspringt, der für Aiden ein unüberwindbares Hindernis darstellt, der fragt sich schon: Was haben sich die Gamedesigner dabei wieder gedacht? Es ist die Summe dieser und anderer Unzulänglichkeiten, die für eine emotionale Achterbahn sorgt. Mal Frust, dann Begeisterung angesichts der Dinge, die das Spiel richtig macht. Überwachungskameras hacken, um Ziele auszukundschaften, Handys von Zielpersonen überhitzen und explodieren lassen, Autoalarmanlagen aus der Ferne aktivieren, um Wachen abzulenken: Fast immer gibt es Möglichkeiten, Missionen ohne großen Waffeneinsatz zu lösen und meist ist das auch die bessere Wahl. Aiden ist vielleicht ein Superhacker, aber kein Superheld, der bei Schusswechseln überdurchschnittlich viele Treffer verträgt.

PC-Version bleibt nicht von technischen Problemen verschont

Laut diversen Foreneinträgen und weiteren Berichten läuft die PC-Version derzeit nicht rund. User berichten von sehr schlechter Performance und das die Specks für die „Ultra“ Grafikeinstellung nicht ausreichen. Ein Statement von Ubisoft (Sebastien Viard) ist schon im Umlauf, eine Lösung wird aber nicht wirklich angeboten.

Frischer Wind

Grafisch macht Watch Dogs in der von uns gespielten Next-Gen-Version eine solide Figur. Die beste nachts und bei Regen, dann spielt die Grafik-Engine ihr volles Potenzial an Lichteffekten und Reflexionen aus. Durch den fehlenden letzten spielerischen Feinschliff ist das Game am Ende nicht der erhoffte „GTA-Konkurrent“ geworden. Trotzdem bringt Ubisoft mit Watch Dogs frischen Wind ins Open-World-Genre. Das Game ist für PC, PS3, PS4, Xbox 360 sowie Xbox ONE verfügbar.  Die Wii U Version soll zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

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