Creators Program: Beschneidet Nintendo die Redefreiheit?

Creators Program Let's Play

Let´s Plays sind eine Welt für sich – entweder, man mag sie oder man mag sie eben nicht. Allerdings gibt es extrem viele Gamer, die sie mögen. So ist ein massiver Absatzmarkt auf YouTube entstanden. Während sich andere Spielehersteller eher in Zurückhaltung üben, ist nun Nintendo erneut nach vorne geprescht und sorgt für Unmut. Der japanische Konzern verweist auf seine Rechte an den Spieleinhalten und will über das im Januar vorgestellte Creators Program mitverdienen. So zumindest der O-Ton. Letztendlich ist das legitim, doch wie so oft, gibt es auch hier einen gewaltigen Haken, der immerhin den faden Beigeschmack von Manipulation und Zensur mit sich bringt.

Doch um was geht es eigentlich genau?

In der Szene braucht man Let´s Plays nicht mehr groß erklären, und für alle anderen: Das sind Videos, die Spieler von einem Spiel, das sie zocken, mitdrehen, kommentieren und bestenfalls noch entsprechend bearbeiten. Die kreative Schaffenskraft hält sich also in Grenzen. Die enorme Popularität, die solche Let´s-Play-Videos mit sich brachten, haben alle überrascht. Aber es ist nachvollziehbar. Sieht man sich im Internet um und liest durch unzählige Kommentare, wird klar, dass Let´s Plays für viele Gamer ein Kaufentscheidungskriterium geworden sind. Immerhin hat es der schwedische Let´s Play YouTuber „PewDiePie“ damit zum erfolgreichsten YouTuber gebracht – laut Wall Street Online Journal rund 34 Millionen Abonnenten. Das sind beachtliche Zahlen.

Nintendo pocht nicht das erste Mal auf die Rechte am geistigen Eigentum

Schon in der Vergangenheit geriet Nintendo in die Kritik, weil man diese Let´s Plays nicht einfach so stehen lassen wollte. Damals hagelte es massiv Kritik und Nintendo zog sich zurück. Doch nur vorübergehend, um im Januar 2014 erneut zur Attacke gegen Let´s Player zu blasen – mit dem Selbst entwickeltem Creators Program. Dabei handelt es sich um ein Programm, das auf den ersten Blick die Werbe-Einnahmen aus Let´s Plays regelt. Nintendo hat das im Creators Program schön verpackt und spricht von bis zu 70 Prozent Verdienstmöglichkeit. In der Realität sieht das Creators Program aber etwas anders aus. Let´s-Player-Channels auf YouTube müssen nämlich nun von ihren bisher 100 Prozent Werbeeinnahmen 30 bis 40 Prozent davon an Nintendo abtreten.

Nur noch 60 bis 70 Prozent der Werbeeinnahmen für den Let´s Player

Damit das reibungslos klappt, hat Nintendo mit dem Creators Program einen effizienten Weg gefunden: Man hat die Kontrolle über entsprechende Video-Channels, die Einnahmen laufen direkt zu Nintendo. Mit einer Verzögerung von, bis zu acht Wochen bekommen die eigentlichen Channel-Betreiber dann ihre 60 bis 70 Prozent Gewinn ausbezahlt. Bedenkt man, dass die Auszahlungen von Werbeeinnahmen wie Adsense sowieso erst nach einem Monat erfolgen, muss ein Let´s Player nun ein Vierteljahr darauf warten. Ob sich dieser administrative Aufwand dahinter für Nintendo lohnt, darf zurecht angezweifelt werden. 70 Prozent sind es übrigens, wenn ausschließlich Let´s Plays von Spielen von Nintendo im Channel laufen, nur 60 Prozent, wenn auch Games anderer Hersteller gezeigt werden.

Grundsätzlich ist das Creators Program legitim

Dass das negative Kritik einbringt, wenn die Einnahmen so beschnitten werden, liegt auf der Hand. Allerdings muss durchaus festgestellt werden, dass es das legitime Recht von Nintendo ist, eine Art Tantiemen in Form von geteilten Werbeeinnahmen zurückzubehalten. Denn letztendlich bewegen sich Let´s Plays schon immer in einer Grauzone, die eher zu Schwarz als zu Weiß tendiert: Let´s Plays zeigen nichts anderes als den Spieleverlauf eines Games. Der wird nur noch mit Kommentaren des Spielers unterlegt und dann auf Videoplattformen eingestellt. Damit steht völlig außer Frage, das Nintendo die Rechte an den Videos hält – zumindest, was die visuellen Teile betrifft. Eine Diskussion dazu ist schon seit langer Zeit nötig. Anderer Spielehersteller hatten Let´s Plays bislang geduldet, schließlich stellen sie auch eine gewisse kostenlose Werbung dar.

Let´s Player verkaufen die Videos als kostenlose Werbung

Das ist auch genau das Argument, dass der Szene-Star PewDiePie anbringt – es wäre schließlich eine kostenlose Werbung, wenn Spieler die Inhalte kostenlos verbreiten. Am ehesten lässt sich das aber wohl mit einem Kinofilm vergleichen: Wäre das tatsächlich kostenlose Werbung für einen Film, wenn dieser bei YouTube eingestellt wäre? In Auszügen vielleicht schon. Und dabei handelt es sich ja auch bei den Let´s Plays um Auszüge. Was aber nicht den rechtlichen Hintergrund verändert, dass die Spiele geistiges Eigentum von Nintendo bleiben und das Creators Program insofern gerechtfertigt ist. Denn schließlich lässt sich dieses Argument der kostenfreien Werbung auch anders herum betrachten: Viele, die das Spiel (analog Film in Kino oder auf DVD kaufen) ansonsten gekauft hätten, entscheiden sich aufgrund eines Let´s Plays vielleicht dagegen.

Lizenzierung ja – aber das Creators Program ist mehr

Daher wollen wir diese Frage gar nicht weiter an dieser Stelle vertiefen – zu philosophisch würde das werden, denn es gibt tatsächlich das berühmte Pro und Contra. Betrachtet von der rechtlichen Seite ist das Creators Program von Nintendo also durchaus legitim. Wären da nicht die besonderen Bedingungen, die im Creators Program enthalten sind. Diese werfen nämlich ein ganz anderes Licht auf die Umsatzbeteiligung. Zunächst aber erst einmal zu Fragen, die sich aus dem ergeben, was eben nicht im Creators Program zu finden ist: Was passiert mit Let´s Playern, die ein Spiel in Grund und Boden reden, also lediglich zeigen wollen, wie grottenschlecht sie ein Game halten? Würde Nintendo solche Let´s Plays auch veröffentlichen oder würde es Strikes auf dem YouTube-Channel geben?

Der Verdacht der Einflussnahme und Manipulation drängt sich auf

Dazu kommt nun, was in den Geschäftsbedingungen des Creators Program zu finden ist – nämlich eine Whitelist. Das sind die Spiele, über die nach Zustimmung zum Creators Program Let´s Plays erstellt werden dürfen. Es fehlen aber einige hervorstechende Titel auf der Whitelist, darunter Pokemon oder Super Smash Bros. Genau hier setzt auch unsere Kritik an: Nintendo versucht die komplette Kontrolle über Let´s Plays zu deren Inhalten zu erlangen. Der Konzern bestimmt, was benutzt werden darf, der Konzern bestimmt die Inhalte. Gleichwohl die Lizenzierung von Let´s Plays wie bereits erwähnt durchaus legitim ist – der Grat zur Manipulation und Zensur ist hier allerdings wirklich schmal.

Das Creators Program ist nur der Anfang, wenn wir alle nicht aufpassen

Deshalb ist dieses Creators Program in seiner jetzigen Form nicht akzeptabel. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Creators Program von Nintendo eine entsprechende Boykottierung erleben wird. Denn im Prinzip ist das nur der erste Schritt, bevor auch Gamer- und Spieleplattformen, die Spiele bewerten und Reviews verfassen, vom Creators Program erfasst werden. Die Unternehmen dahinter werden dann ebenfalls mehr werden, wenn das Beispiel von Nintendo Schule macht. Und was wünschen sich – unabhängig von der Branche – Konzerne am meisten? Dass ihr Produkt ausschließlich positiv dargestellt wird. Genau diese Gefahr der Einflussnahme besteht aber beim Creators Program von Nintendo.

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